Wisente auf Reisen, oder von den deutsch –
polnischen Bemühungen um die Rettung des größten europäischen Säugetiers
Die Wisente auf der Insel Usedom sind direkte Nachfahren der Wisente, die bis etwa 1364 auch noch in Mittelpommern und auf den Oderinseln vorkamen. 1373 wird der Wisent zum letzten Mal für Hinterpommern erwähnt, später dann weiter nach Osten verdrängt. In Ostpreußen knallten Wilderer den letzten Wisent im Winter 1755 ab. Seine Heimstatt wurde der Urwald von Bialowies im Osten Polens. Jahrhunderte lang war dieser Wald das Jagdgebiet der russischen Zaren. Dort überlebte das größte europäische Säugetier die Kriegswirren in stark zusammen geschmolzenen Herden, bis im März 1919 ein entlassener Förster des russischen Zaren den letzten Wisent wilderte.
Die Rettung in letzter Sekunde ist deutschen und polnischen Wissenschaftlern, Tierpark- und Zoodirektoren zu verdanken. Sie begannen im Jahre 1923 mit der Zucht zur Rettung des urigen Wildrindes mit ganzen 12 Tieren, derer man in Gefangenschaft habhaft werden konnte. 1952 konnten dann die ersten Wisente wieder im Urwald von Bialowies in die freie Natur gebracht werden. Im Bialowieser Nationalpark wird auch das Internationale Zuchtbuch für den Wisent geführt. Heute gibt wieder fast 3200 dieser imposanten Tiere, rund 1800 davon leben in freier Natur. Die genetische Reserve für diese nach wie vor bedrohte Art bilden die rund 1300 Wisente in Gehegen und Tierparks.
Im Mai 2005 wurde mit dem ersten seit über 640 Jahren hier geborenen Wisentkalb der Grundstein für einen neue Zucht gelegt. Das Jungtier „Usedomka“ („Tochter von Usedom“) wird im Mai dieses Jahres also schon 2 Jahre alt, und damit ist theoretisch bereits die Möglichkeit der Geschlechtsreife gegeben. Die Usedomer Wisente sind der einzige Zuchtbestand reinrassiger Tieflandwisente in Deutschland. Zuchttiere zur Blutauffrischung können also nur aus Polen kommen. Deshalb wurde mit der Direktion des Nationalparks auf Usedoms Nachbarinsel vereinbart, die Wisentbullen der beiden Zuchtgruppen zu tauschen, um der Gefahr der Inzucht zu begegnen.
...der Weg auf die Insel Usedom ist schnell zurückgelegt, und kurz vor 13.00 Uhr steht die Kiste im Gehege in der Mellenthiner Heide, umringt von vier neugierigen Wisenten. Die Klappe öffnet sich, und langsam schiebt sich ein dunkelbrauner Wollberg mit 1,80 Meter Schulterhöhe und breit ausladenden Hörnern heraus, der sechsjährige Bulle POCIOTEK.
Eine imponierende Erscheinung! Die vier Wisentkühe sehen dagegen regelrecht zierlich aus.
Wisentbullen sind erst mit neun Jahren ausgewachsen. Dieser Bulle kann also noch zulegen.
Langsam durchschreitet er das Gehege. Die Duftmarken seines Vorgängers sind noch überall.
Er blickt sich aufmerksam um, ob der vermeintliche Nebenbuhler noch in der Nähe ist. Die Anspannung ist dem Tier deutlich anzumerken. Erst nach und nach wird er gelassener.
Denn POWIEW II steht nun schon 50 Kilometer weiter östlich, im Nationalpark Wollin.
Hinterlassen hat er hoffentlich andere „Andenken“. Vermutlich sind zwei der Usedomer Wisente tragend...
Mit POCIOTEK, dem sechsjährigen Wisentbullen aus dem Wolliner Nationalpark, beginnt nun ein neues Kapitel der Usedomer Wisente. Und wer weiß, vielleicht sind ja schon in wenigen Jahren Wisente von der Insel Usedom in den Wäldern von Miroslawiec (Märkisch Friedland) zuhause, in der einzigen frei lebenden Wisentherde Pommerns...
polnischen Bemühungen um die Rettung des größten europäischen Säugetiers
Die Wisente auf der Insel Usedom sind direkte Nachfahren der Wisente, die bis etwa 1364 auch noch in Mittelpommern und auf den Oderinseln vorkamen. 1373 wird der Wisent zum letzten Mal für Hinterpommern erwähnt, später dann weiter nach Osten verdrängt. In Ostpreußen knallten Wilderer den letzten Wisent im Winter 1755 ab. Seine Heimstatt wurde der Urwald von Bialowies im Osten Polens. Jahrhunderte lang war dieser Wald das Jagdgebiet der russischen Zaren. Dort überlebte das größte europäische Säugetier die Kriegswirren in stark zusammen geschmolzenen Herden, bis im März 1919 ein entlassener Förster des russischen Zaren den letzten Wisent wilderte.
Die Rettung in letzter Sekunde ist deutschen und polnischen Wissenschaftlern, Tierpark- und Zoodirektoren zu verdanken. Sie begannen im Jahre 1923 mit der Zucht zur Rettung des urigen Wildrindes mit ganzen 12 Tieren, derer man in Gefangenschaft habhaft werden konnte. 1952 konnten dann die ersten Wisente wieder im Urwald von Bialowies in die freie Natur gebracht werden. Im Bialowieser Nationalpark wird auch das Internationale Zuchtbuch für den Wisent geführt. Heute gibt wieder fast 3200 dieser imposanten Tiere, rund 1800 davon leben in freier Natur. Die genetische Reserve für diese nach wie vor bedrohte Art bilden die rund 1300 Wisente in Gehegen und Tierparks.
Im Mai 2005 wurde mit dem ersten seit über 640 Jahren hier geborenen Wisentkalb der Grundstein für einen neue Zucht gelegt. Das Jungtier „Usedomka“ („Tochter von Usedom“) wird im Mai dieses Jahres also schon 2 Jahre alt, und damit ist theoretisch bereits die Möglichkeit der Geschlechtsreife gegeben. Die Usedomer Wisente sind der einzige Zuchtbestand reinrassiger Tieflandwisente in Deutschland. Zuchttiere zur Blutauffrischung können also nur aus Polen kommen. Deshalb wurde mit der Direktion des Nationalparks auf Usedoms Nachbarinsel vereinbart, die Wisentbullen der beiden Zuchtgruppen zu tauschen, um der Gefahr der Inzucht zu begegnen. ...der Weg auf die Insel Usedom ist schnell zurückgelegt, und kurz vor 13.00 Uhr steht die Kiste im Gehege in der Mellenthiner Heide, umringt von vier neugierigen Wisenten. Die Klappe öffnet sich, und langsam schiebt sich ein dunkelbrauner Wollberg mit 1,80 Meter Schulterhöhe und breit ausladenden Hörnern heraus, der sechsjährige Bulle POCIOTEK.
Eine imponierende Erscheinung! Die vier Wisentkühe sehen dagegen regelrecht zierlich aus.
Wisentbullen sind erst mit neun Jahren ausgewachsen. Dieser Bulle kann also noch zulegen.
Langsam durchschreitet er das Gehege. Die Duftmarken seines Vorgängers sind noch überall.
Er blickt sich aufmerksam um, ob der vermeintliche Nebenbuhler noch in der Nähe ist. Die Anspannung ist dem Tier deutlich anzumerken. Erst nach und nach wird er gelassener.
Denn POWIEW II steht nun schon 50 Kilometer weiter östlich, im Nationalpark Wollin.
Hinterlassen hat er hoffentlich andere „Andenken“. Vermutlich sind zwei der Usedomer Wisente tragend... Mit POCIOTEK, dem sechsjährigen Wisentbullen aus dem Wolliner Nationalpark, beginnt nun ein neues Kapitel der Usedomer Wisente. Und wer weiß, vielleicht sind ja schon in wenigen Jahren Wisente von der Insel Usedom in den Wäldern von Miroslawiec (Märkisch Friedland) zuhause, in der einzigen frei lebenden Wisentherde Pommerns...
